Kaffeeland Deutschland: Wir trinken nicht nur, wir verteilen
Jede dritte Tonne Kaffee, die von außerhalb in die EU kommt, geht über Deutschland. Was die frischen Zahlen sagen und was sie nicht sagen.

Zum Tag des Kaffees hat der Deutsche Kaffeeverband eine Zahl veröffentlicht, die nach Angeberei klingt und trotzdem stimmt: Jede dritte Tonne Kaffee, die von außerhalb in die EU kommt, geht über Deutschland. Wir sind also nicht nur Trinker, wir sind Verteiler. Eine Art Hauptbahnhof für Bohnen.
Eine Million Tonnen, ein Ankunftsort
Im Jahr 2025 gelangten rund 1,01 Millionen Tonnen Kaffee über Deutschland in den EU-Zollraum. Das sind 34,4 Prozent aller Kaffeeimporte von außerhalb der EU (Deutscher Kaffeeverband, Pressemitteilung vom 30.09.2026). Die EU-Statistikbehörde Eurostat nennt fast dieselbe Menge: 1.010.500 Tonnen, dahinter folgt Italien mit 608.000 Tonnen (Eurostat, 01.10.2026).
Eine Einschränkung gehört dazu: Über Deutschland eingeführt heißt nicht, in Deutschland getrunken. Die Zahl sagt, wo der Kaffee in die EU kommt, nicht, in welcher Tasse er landet.
Dazu passt, was die Studie „Economic Impact of Coffee in Europe“ (Europe Economics, veröffentlicht vom Verband) für Deutschland ausweist: 517.000 Tonnen produzierten Röstkaffee, das sind 27,3 Prozent der europäischen Röstkaffeeproduktion. Die Kaffeewirtschaft kommt direkt und indirekt auf 70,2 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung und rund 517.000 Arbeitsplätze. Ja, dieselbe Zahl, einmal für Tonnen, einmal für Jobs. Wir haben nachgeschaut: Zufall.
Und was trinken wir selbst?
Im Schnitt waren es 2025 pro Kopf 161 Liter, meldet der Verband in seinem Marktbericht vom 2. April 2026. Das ist knapp ein halber Liter am Tag. Der Absatz von Röstkaffee lag bei 456.000 Tonnen. Spannend ist die Form: Ganze Bohne hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt (193.800 Tonnen, plus 130 Prozent), gemahlener Kaffee ging um 38 Prozent zurück. Und in jedem dritten Haushalt steht ein Vollautomat.
Man könnte sagen: Wir kaufen wieder Bohnen. Mahlen lassen wir lieber die Maschine, aber immerhin frisch.
Und noch eine Zahl, damit die Statistik nicht nur nach Menge schmeckt: Die EU führte 2025 mit 2,9 Millionen Tonnen kaum mehr Kaffee ein als zehn Jahre zuvor (2,7 Millionen), der Einfuhrwert stieg aber von 8,6 auf 18,7 Milliarden Euro (Eurostat). Kaffee ist also nicht nur gefragt, er ist ein ziemlich wertvolles Gut geworden.
Aha Größter Lieferant der EU war 2025 Brasilien mit 34 Prozent aller Kaffeeimporte, vor Vietnam mit 20 Prozent. Kolumbien steht mit 6 Prozent auf Platz vier (Eurostat).
Zufall oder nicht: Auch bei uns kommt ein Klassiker aus Brasilien. Unser Brasilien Santos wächst in Sul de Minas, dem größten Kaffeeanbaugebiet des Landes.
Mini-Aufgabe für diese Woche: Dreh deine Kaffeetüte um und lies nach, woher die Bohnen kommen. Dann weißt du schon mehr als die meisten Statistiken: nämlich, in welchem Land dein Kaffee gewachsen ist.



