Die Herdkanne verzeiht nichts. Fast nichts.
Sie steht in fast jeder Küche und wird fast überall gequält. Vier Handgriffe, mit denen der Kaffee aus der Herdkanne endlich schmeckt.

Die Herdkanne ist das Küchengerät mit dem größten Abstand zwischen Ruf und Ergebnis. Alle lieben sie, viele bekommen bitteren Kaffee heraus und geben dann dem Kaffee die Schuld. Der kann nichts dafür. Meistens ist es zu viel Hitze für zu lange Zeit.
Vier Handgriffe, mehr braucht es nicht
Erstens: Füll heißes Wasser in den Kessel, nicht kaltes. So steht die Kanne kürzer auf der Platte, und das Kaffeemehl wird nicht schon gegrillt, bevor überhaupt Wasser ankommt.
Zweitens: Sieb locker füllen und glatt streichen. Nicht andrücken. Die Herdkanne ist keine Siebträgermaschine, sie arbeitet mit sanftem Druck.
Drittens: Mittlere Hitze, Deckel auf, zuschauen. Der Kaffee soll ruhig und dunkel herauslaufen wie Honig, nicht spritzen.
Viertens: Sobald es hell wird und gurgelt: runter vom Herd. Wer mag, hält den Kessel kurz unter kaltes Wasser. Das stoppt die Extraktion sofort.
Aha Was aus der Herdkanne kommt, ist kein Espresso. Eine Siebträgermaschine drückt mit etwa neun Bar, die Herdkanne schafft rund anderthalb. Deshalb gibt es auch keine echte Crema. Dafür gibt es das Geräusch.
Der Mahlgrad
Etwas gröber als für den Siebträger, etwas feiner als für den Filter. Wenn du bei uns „Herdkanne“ als Zubereitung wählst, mahlen wir genau so. Dann passt es ohne Probieren.
Erfunden wurde die achteckige Kanne übrigens 1933 von Alfonso Bialetti in Italien. Seitdem hat sich an ihr praktisch nichts geändert. Das schaffen sonst nur Büroklammern.
Mini-Aufgabe für diese Woche: Nimm die Kanne beim ersten Gurgeln vom Herd, nicht beim letzten. Du wirst denken, du hättest einen anderen Kaffee gekauft.



