Zwanzig Minuten, die man hören kann
Warum es bei uns in der Rösterei irgendwann knackt wie im Kino und was das mit deiner Tasse zu tun hat.

Wer zum ersten Mal neben unserem Trommelröster steht, fragt nach ein paar Minuten meistens: „Ist das normal?“ Ja. Das Knacken ist normal. Es klingt wie Popcorn, nur dass am Ende niemand Butter darübergießt.
Der Moment heißt First Crack
Rohkaffee ist grün, hart und riecht ein bisschen nach Heu. In der heißen Trommel verdampft das Wasser in der Bohne, der Druck steigt, und irgendwann gibt die Bohne hörbar nach. Röster nennen das den First Crack. Ab hier wird aus einem grünen Kern etwas, das nach Kaffee duftet.
Aha Eine Kaffeebohne verliert beim Rösten Gewicht, wird aber größer. Sie geht auf wie ein kleines Brötchen.
Große Röstanlagen erledigen das deutlich schneller und heißer. Das geht, man schmeckt es aber. Bei uns bekommt jede Charge rund 20 Minuten in der Trommel, bei ca. 180 bis 200 Grad. In dieser Zeit bauen sich Säuren ab, und die Aromen dürfen sich entwickeln, statt nur außen Farbe zu bekommen.
Warum trotzdem niemand einfach die Uhr stellt
Zwanzig Minuten sind ein Richtwert, kein Wecker. Jede Sorte verhält sich in der Trommel ein wenig anders, und deshalb nimmt Alexa jede Röstung persönlich ab: Farbe, Duft, der richtige Moment zum Ablassen. Der Röster ist ein Werkzeug. Geröstet wird mit Nase und Ohren.

Danach ruht der Kaffee, bevor er in die Tüte kommt. Frisch geröstet heißt nämlich nicht: noch warm. Direkt nach dem Rösten gast die Bohne aus, erst nach ein paar Tagen zeigt sie, was sie kann.
Mini-Aufgabe für diese Woche: Riech an deiner Tüte, bevor du mahlst. Findest du Schokolade, Nuss oder Karamell, ist das kein Zufall. Das sind die zwanzig Minuten.



